19
Aug

David – Eine Zeitreise durch die Kunst

Es sind immer wieder aktuelle Ereignisse, die mich an mein Werk „David – Eine Zeitreise durch die Kunst“ erinnern. Heute sind es zwei Ereignisse. Am 19.August 1839, also heute vor 175 Jahren, wurde in der Pariser Akademie der Wissenschaften der Öffentlichkeit die sogenannte Daguerreotypie vorgestellt. Mit dieser von Louis Daguerre entwickelten Methode, die die Belichtungszeit erstmals „auf einen Bruchteil einer Stunde“ reduzierte, gelang der Fotographie der Durchbruch. Die Erfindung der Fotografie löste eine unvorstellbar mediale Revolution aus, denn sie bewirkte, dass die Maler zunehmend die Kontrolle über die Bildherstellung verloren. Der Einfluss auf die Kunst wurde nur noch durch die der Digitalisierung, etwa 150 Jahre später, übertroffen.

Die Ausbreitung der Fotografie hatte immense Auswirkungen auf die Malerei. Diese hatte sich eingangs des 20. Jahrhunderts, mehr oder weniger bewusst, aus der alltäglichen Bilderwelt zurückgezogen und zur Begründung der Modernen Kunst geführt. Angesichts der fotografischen Reproduzierbarkeit von Bilder konzentrierte sich die Kunst zunehmend auf das Individuelle und den persönlichen Stil und Ausdruck eines jeden Malers. Für das daraus resultierende Arrangement der Kunst mit der Fotografie schien zunehmend zu gelten, dass handwerklichen Kunst sich auf das Feld der schöpferischer Freiheit konzentrierte, während das technisch erzeugte Bild für unbestechliche, dokumentarische Echtheit stand. In anderen Worten: Der Künstler brachte die innere Welt aus dem Subjet hervor: der Fotograf zeigte die äußere Realität durch das Objekt seiner Kamera.

Dabei verlor die Malerei eine Brillanz, die selbst der angesehenste lebende Künstler, Gerhard Richter schmerzlich vermisst. In einem kürzlich veröffentlichten Interview zu seinem Werk, “Annunciation after Titian”, 1973 in der Fondation Beyerle (18. Mai – 7. September 2014) sagte er:

Ich sah das Tizian-Gemälde (Die Verkündung) in der Scuola Grande di San Rocco in Venedig und wollte es einfach haben, wenigstens als Kopie. Die ist mir nicht gelungen, sie konnte gar nicht gelingen, denn diese ganze wundervolle Kultur ist verloren. Uns bleibt nur mit dem Verlust klarzukommen und trotzdem etwas daraus zu machen.“

Auch ich verehre die Künstler der Renaissance, insbesondere die der Hochrenaissance,  wie Tizian, Da Vinci und mehr noch Michelangelo. Letzterer hat mich zu meinem Werk „David – Eine Zeitreise durch die Kunst“ inspiriert.

David, das skulpturale Meisterwerk von Michelangelo repräsentiert für mich Brillanz die Renaissance, die Blütezeit des Kunsthandwerks. Alle nachfolgende Kunstepochen und Richtungen leitet sich von ihr mehr oder weniger ab, beziehungsweise muss sich mit ihr messen lassen. Am anderen, heutigen Ende stehen die zwei technischen Errungenschaften, die die Kunst auf andere Felder des Ausdrucks verdrängt hat

Die Ausbreitung der Fotografie im ausgehenden 19. Jahrhundert und die Digitalisierung an der Schwelle zum 21. Jahrhundert werden durch das Fotoobjektiv und die 0/1 dargestellt. Dazwischen nebulös angedeutet, lebt sich all das aus, was die (selbsternannten) Teilnehmer des Kunstmarktes weitläufig unter Kunst subsumieren.

Michelangelo hatte 1501, 25-jährig mit der Auftragsarbeit David begonnen. Ihm war ein Block Marmor zugeteilt worden, welcher fast 50 Jahre zuvor in den Steinbrüchen von Carrara geschlagen wurde und von dem bereits mehrere Bildhauer wegen minderer Qualität abgelassen hatten. Michelangelo aber hat bis zur Vollendung 1504 der Skulptur Leben eingehaucht. Der antik anmutende, nackte David verkörpert das Menschenideal der wieder geborenen Antike, der Renaissance

Für mich ist die Skulptur 510 Jahre nach ihrer Fertigstellung immer noch zeitlos schön und aktuell. Eine Einschätzung, welchen Platz später einmal die moderne Kunst in den Museen und der Kunstgeschichte einnehmen wird, fällt mir ungleich schwerer.

Titelbild: Elena Romanzin, „David – Eine Zeitreise durch die Kunst“, Mischtechnik auf Leinwand, 75x58cm, 2012 Entwicklung der Fotografie Interview Gerhard Richter

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